Nächtliche Frage

Die einzelnen Kapitel des Buches werden von Fragen eingeleitet, die sich stellen, wenn man darüber nachdenkt, was von einem übrig bleibt. Was soll von mir bleiben, an Orten, in anderen Menschen – am Ende in der Welt? Geträumt habe ich natürlich schon von vielen Menschen, zuletzt von jemandem, den ich das nie sagen dürfte. Wenn ich es mir wünschen dürfte, würde ich mich glaube ich in die Vergangenheit meiner Familie zurückträumen. In einer Art Zeitreise. Wie war wohl meine Urgroßmutter? Wie hat sie meinen Urgroßvater kennengelernt? Ich werde das nie erfahren, das heißt: Ein Traum wäre genauso wahr wie das, was war. Ein schöner Gedanke.

Existenzielle Frage

Die einzelnen Kapitel des Buches werden von Fragen eingeleitet, die sich stellen, wenn man darüber nachdenkt, was von einem übrig bleibt. Was soll von mir bleiben, an Orten, in anderen Menschen – am Ende in der Welt? Zu dieser Frage kann ich nur sagen: bestimmt. Dazu hatte ich zu viele ehemalige Arbeitsstellen (und innerhalb dieser so viele Arbeitsorte), dass es seltsam wäre, würde nichts irgendwo noch herumliegen auf irgendwelchen Servern. Vielleicht haben aber ja auch Kollegen Mails von mir aufgehoben. Wenn dem so sei – dann hoffentlich aus positiven Gründen.

Schwere Frage

Die einzelnen Kapitel des Buches werden von Fragen eingeleitet, die sich stellen, wenn man darüber nachdenkt, was von einem übrig bleibt. Was soll von mir bleiben, an Orten, in anderen Menschen – am Ende in der Welt? Das Material, aus dem mein Grabstein sein sollte? Das ist eine gute Frage. Ich denke: auf keinen Fall etwas glatt geschliffenes, poliertes. So werde ich nicht gewesen sein, so wird mein Leben nicht gewesen sein. Ich glaube, ich möchte einen Stein, der nach Stein aussieht. Als würde er schon immer da hingehören. Wie sieht das bei Ihnen und Euch aus?

Eindrückliche Frage

Die einzelnen Kapitel des Buches werden von Fragen eingeleitet, die sich stellen, wenn man darüber nachdenkt, was von einem übrig bleibt. Was soll von mir bleiben, an Orten, in anderen Menschen – am Ende in der Welt? Bei mir ist ganz einfach. Jemand, mit dem ich in der vergangenen Woche zusammengearbeitet habe – und mit dem ich gemeinsam eine Formulierung erfunden habe, die außergewöhnlich war, ein bisschen verstörend, provokant. Dass sie dennoch gedruckt wurde in einem Magazin, erforderte viel Gefühl für sprache, Erfahrung und auch Mut.

Wegwerffrage

Die einzelnen Kapitel des Buches werden von Fragen eingeleitet, die sich stellen, wenn man darüber nachdenkt, was von einem übrig bleibt. Was soll von mir bleiben, an Orten, in anderen Menschen – am Ende in der Welt? Bei mir ist es wohl so, dass mein Müll wahrscheinlich eher langweilig ist. Ein bisschen Bio. Ein bisschen Plastik (was immer weniger wird, hoffe ich). DIE ZEIT lese ich auf dem iPad, das war früher mal sehr viel Papiermüll. Und ich bestelle kaum etwas im Internet, habe also nicht wie meine Nachbarn einen »Amazon Prime«-Karton pro Woche. Der Wein, den ich trinke, hat meist einen Schraubverschluss, es gibt kaum noch Korken. Wie gesagt: Es gibt spannenderen Müll. Ihren vielleicht?

Fragen, denken, sagen

Die einzelnen Kapitel des Buches werden von Fragen eingeleitet, die sich stellen, wenn man darüber nachdenkt, was von einem übrig bleibt. Was soll von mir bleiben, an Orten, in anderen Menschen – am Ende in der Welt? Bei dieser Frage würde ich gerne zurückfragen, wer sich denn außer mir für mein Gehirn interessieren könnte, damit sich das lohnt. Aber generell geantwortet: warum nicht? Dann könnte ich vielleicht digital darüber nachgrübeln, wie sich Bewusstsein anfühlt und wie nicht.

Frage im Rückblick

Die einzelnen Kapitel des Buches werden von Fragen eingeleitet, die sich stellen, wenn man darüber nachdenkt, was von einem übrig bleibt. Was soll von mir bleiben, an Orten, in anderen Menschen – am Ende in der Welt? Diese Frage ist natürlich harter Tobak. Es würde mir sogar schwer fallen, hier jemanden namentlich zu nennen, denn alle, die ich wirklich gar nicht vermisse, habe ich wohl auch vergessen. Wahrscheinlich braucht es eine Kombination aus Verletztsein, Wut, Enttäuschung und immer noch glimmender Liebe für einen solchen Menschen. Da fiele mir dann schon jemand ein. Ich sehe sie öfter, wir gehen aneinander vorbei, grußlos. Aber ich zumindest nicht unberührt.

Frage, Küche, Bad

Die einzelnen Kapitel des Buches werden von Fragen eingeleitet, die sich stellen, wenn man darüber nachdenkt, was von einem übrig bleibt. Was soll von mir bleiben, an Orten, in anderen Menschen – am Ende in der Welt? Bei mir ist das so: Ich bin mit meiner Wohnung oft ganz zufrieden; sie spiegelt mich wieder in all meiner Widersprüchlichkeit. Manchmal aber bin ich in einer anderen Wohnung oder sehe eine im Fernsehen, die einen großen, weiten Raum besitzt (etwas, das meine nicht hat). Und dann werde ich immer ein bisschen traurig und ein bisschen neidisch. Warum das so ist, weiß ich nicht genau. Aber vielleicht ist das nur eine Variante vom Gras, das beim Nachbarn immer grüner ist.

Bauliche Frage

Die einzelnen Kapitel des Buches werden von Fragen eingeleitet, die sich stellen, wenn man darüber nachdenkt, was von einem übrig bleibt. Was soll von mir bleiben, an Orten, in anderen Menschen – am Ende in der Welt? Die Antwort auf diese Frage für mich: niemandem eigentlich. Denn meist geschieht das aus den falschen Gründen – weil man sich etwas davon verspricht, weil man dazu gezwungen wird, weil es sich so gehört. Das sind die selben Gründe, warum Denkmäler geschleift werden.

Zeugenbefragung

Die einzelnen Kapitel des Buches werden von Fragen eingeleitet, die sich stellen, wenn man darüber nachdenkt, was von einem übrig bleibt. Was soll von mir bleiben, an Orten, in anderen Menschen – am Ende in der Welt? Die Antwort auf diese Frage: wahrscheinlich unter einer oder mehreren Schichten Lack am Türrahmen einer Wohnung in Frankfurt am Main. An der Stelle, an der ich mich als Kind, wenn ich zu Besuch war, immer hingestellt habe, woraufhin ein lieber Mensch mit Kuli einen Strich über meinem Kopf gemacht hat, dann kam ein Datum daneben – und schon konnte man sehen, wie ich größer wurde mit der Zeit. Vielleicht ist das alles noch da, vielleicht nicht. Aber so ist es ja oft mit Spuren.

Falsche Frage

Die einzelnen Kapitel des Buches werden von Fragen eingeleitet, die sich stellen, wenn man darüber nachdenkt, was von einem übrig bleibt. Was soll von mir bleiben, an Orten, in anderen Menschen – am Ende in der Welt? Diese Frage ist sehr schwer zu beantworten, bringt sie ja das ganze Selbst zum Wackeln. Nach längerem Nachdenken: Ich glaube fest daran, dass den Menschen immer klar sein wird, dass die »echte Welt« wertvoller ist als jede virtuelle. Wahrscheinlich aber wird das ein Irrtum sein.

Frage an der Kreuzung

Die einzelnen Kapitel des Buches werden von Fragen eingeleitet, die sich stellen, wenn man darüber nachdenkt, was von einem übrig bleibt. Was soll von mir bleiben, an Orten, in anderen Menschen – am Ende in der Welt? Diese Frage fällt mir leicht: Ich denke, ja. Denn ich ändere mich jeden Tag, für jeden Tag. Ob es große Veränderungen geben kann: schwieriger zu sagen. Eher. Nein. Ich denke, der Kern steht irgendwann fest. Die Persönlichkeit, der Charakter. Und der ist schwer zu knacken. Obwohl: Ich hoffe, dass ich mich ändern kann, wenn es darauf ankommt.

Ursprünglich gefragt

Die einzelnen Kapitel des Buches werden von Fragen eingeleitet, die sich stellen, wenn man darüber nachdenkt, was von einem übrig bleibt. Was soll von mir bleiben, an Orten, in anderen Menschen – am Ende in der Welt? Diese Frage ist nur auf den ersten Blick eine ungewöhnliche. Denn irgendwer hat das ja getan, bewusst oder unbewusst. Wer den eigenen Spuren nachgeht, wird weitere Fragen finden, wie: Wo und wie haben sich meine Eltern eigentlich kennengelernt? Wenn ich ein anderer wäre, wenn ich woanders geboren wäre – wie prägt mich mein Geburtsort? Ein nachdenkliches Wochenende allen!

Hilfreiche Frage

Die einzelnen Kapitel des Buches werden von Fragen eingeleitet, die sich stellen, wenn man darüber nachdenkt, was von einem übrig bleibt. Was soll von mir bleiben, an Orten, in anderen Menschen – am Ende in der Welt? Diese Frage ist mir wichtig, denn in der Antwort entscheidet sich der Charakter eines Menschen, wie ich finde. Wenn ich kann, wenn ich Zeit habe und die Kraft, dann helfe ich immer. »Die Welt jeden Tag ein wenig besser machen«, schimmert da auch durch, das jüdische »Tikkun Olam«. Wenn man das möglich machen kann – warum sollte man es nicht tun?

Dingliche Frage

Die einzelnen Kapitel des Buches werden von Fragen eingeleitet, die sich stellen, wenn man darüber nachdenkt, was von einem übrig bleibt. Was soll von mir bleiben, an Orten, in anderen Menschen – am Ende in der Welt? Bei dieser Frage fallen mir mehrere Dinge ein: ein Kuscheltier aus meiner frühen Kindheit, das ich noch besitze; ein Bündel Etiketten, auf die meine Mutter damals meinen Namen geschrieben hat; eine kleine Lampe, die damals auf meinem Nachttisch stand. Spannend ist die Frage, warum diese Dinge noch da sind. Warum haben sie die Zeiten überlebt und andere nicht? Und welche vielleicht noch älteren Gegenstände liegen noch unentdeckt im Keller meiner Eltern?

Ich frage für einen Freund

Die einzelnen Kapitel des Buches werden von Fragen eingeleitet, die sich stellen, wenn man darüber nachdenkt, was von einem übrig bleibt. Was soll von mir bleiben, an Orten, in anderen Menschen – am Ende in der Welt? Zu dieser Frage denke ich: nicht unbedingt, aber die Zeit hinterlässt ihre Spuren. Und: Sie steigert die Bindung – man kann auch über Jahre jemanden immer inniger weniger mögen. Vielleicht ist das dann eine besondere Form der Freundschaft, eine von der dunklen Seite des Mondes.

Örtliche Frage

Die einzelnen Kapitel des Buches werden von Fragen eingeleitet, die sich stellen, wenn man darüber nachdenkt, was von einem übrig bleibt. Was soll von mir bleiben, an Orten, in anderen Menschen – am Ende in der Welt? Diese Antwort fällt mir einfach: von der Hammaburg. Aufgewachsen bin ich in einem Dorf, dessen Name von dem Bach stammt, der durchfließt. Aber manchmal verbergen sich Geschichten und Menschen hinter Städtenamen – die, die am Anfang standen. Deren Name sich gegen die Zeit gestemmt hat.

Freundschaftsanfrage

Die einzelnen Kapitel des Buches werden von Fragen eingeleitet, die sich stellen, wenn man darüber nachdenkt, was von einem übrig bleibt. Was soll von mir bleiben, an Orten, in anderen Menschen – am Ende in der Welt? Bei dieser Frage fällt mir ein: Ich wäre gerne zielstrebiger, weniger hü und hott, weniger »ach, schau hier doch mal« und »was hat da hinten den so geglitzert?«. Aber daraus erwächst ja gleich die nächste Frage: Wäre das dann noch ich? Und bin ich vielleicht mit den Personen gerade befreundet, weil sie anders sind?

Karfreitagfrage

Die einzelnen Kapitel des Buches werden von Fragen eingeleitet, die sich stellen, wenn man darüber nachdenkt, was von einem übrig bleibt. Was soll von mir bleiben, an Orten, in anderen Menschen – am Ende in der Welt? Bei dieser Frage fällt mir als erstes meine liebe Freundin Traude ein, der »Was von uns übrig bleibt« in Gedenken gewidmet ist. Ohne sie gäbe es mich so nicht, ohne sie gäbe es dieses Buch nicht. Ihr Grab liegt weit entfernt. Vielleicht besuche ich sie kommende Woche.

Rhetorische Frage

Die einzelnen Kapitel des Buches werden von Fragen eingeleitet, die sich stellen, wenn man darüber nachdenkt, was von einem übrig bleibt. Was soll von mir bleiben, an Orten, in anderen Menschen – am Ende in der Welt? »Papa hat immer gesagt…«, »Wie Oma immer sagte…«: Jede und jeder kann sich an eine Äußerung von Verwandten erinnern, die später wichtig wurde im Leben. Ob sie die Person wirklich gesagt hat, ist dabei nicht immer wichtig. Der Satz ist ein Schnipsel Vergangenheit, der uns an Papa und Oma denken lässt – darum geht es doch vor allem. Oder?

Sorry.

Die einzelnen Teile des Buches werden von Fragen eingeleitet, die sich stellen, wenn man darüber nachdenkt, was von einem übrig bleibt. Was soll von mir bleiben, an Orten, in anderen Menschen – am Ende in der Welt? Ich versuche, mich immer recht schnell zu bedanken. Deswegen fällt mir gerade niemand ein. Aber vielleicht ist das ja auch die Krux: Dass da draußen vielleicht Menschen darauf warten, dass jemand »danke« sagt – aber die- oder derjenige ahnen davon nichts. Das heißt: Die einen können ewig warten und werden immer grummeliger, die anderen haben nicht einmal die Chance, etwas dagegen zu tun. Also: Reden ist immer besser als Warten. Finde ich zumindest.

Häusliche Frage

Die einzelnen Teile des Buches werden von Fragen eingeleitet, die sich stellen, wenn man darüber nachdenkt, was von einem übrig bleibt. Was soll von mir bleiben, an Orten, in anderen Menschen – am Ende in der Welt? Bei meinen Eltern hängen zum Beispiel noch Bilder an der Wand, die ich als Kind gemalt habe. Und Fotos, die ich gemacht habe. Und meine Mineraliensammlung steht noch in der Vitrine. Ich finde es sehr schade, dass es kein Foto der Kinderzimmer-Tapete gibt, mit der ich groß geworden bin. Ich würde so gerne wissen, ob sie wirklich so aussah, wie ich sie im Kopf habe – grün mit kleinen Gänseblümchen drauf.

Trostfrage

Die einzelnen Teile des Buches werden von Fragen eingeleitet, die sich stellen, wenn man darüber nachdenkt, was von einem übrig bleibt. Was soll von mir bleiben, an Orten, in anderen Menschen – am Ende in der Welt? Diese Frage ist sehr persönlich, lässt doch die Antwort aufscheinen, ob jemand offen dafür ist, dass noch Neues da sein wird, für das das Alte Platz machen sollte. Oder ob besser nichts mehr dazu kommen soll im Leben. Ich halte es so: Es ist gut, dass alles vergänglich ist – solange man manchmal die Chance hat, um ein Stück Ewigkeit zu kämpfen und zu gewinnen.

Eine Frage der Disziplin

Die einzelnen Kapitel des Buches werden von Fragen eingeleitet, die sich stellen, wenn man darüber nachdenkt, was von einem übrig bleibt. Was soll von mir bleiben, an Orten, in anderen Menschen – am Ende in der Welt? Bei dieser Frage fällt mir die Antwort leicht: ja. Und auf mehreren Festplatten, von denen einige nicht bei mir zu Hause liegen. Ich gehe nicht davon aus, dass meine Wohnung abbrennt – aber meine Daten sind mir einfach zu wichtig. Meine Texte aus den Achtzigern, die Fotos seit den Neunzigern, das Video, auf dem meine Oma lächelt. Die Bürokratie. Wenn das alles weg wäre: kaum auszudenken. Wenn Menschen keine Sicherheitskopien machen (»all die Fotos, die ich so gerne habe, sind nur auf dem Handy drauf«), kann ich das nicht verstehen. Kann doch so wenig Aufwand so viel Leid verhindern.

Hintergründige Frage

Die einzelnen Kapitel des Buches werden von Fragen eingeleitet, die sich stellen, wenn man darüber nachdenkt, was von einem übrig bleibt. Was soll von mir bleiben, an Orten, in anderen Menschen – am Ende in der Welt? Bei dieser Frage kann ich keinen Menschen benennen – eher ist es bei mir wohl so, dass Vorurteile einsickern in das Denken und Fühlen, in die Wahrnehmung oder Vorstellung von anderen. Man schnappt sie auf: bei Familienfeiern, in der Schule, in der Bahn. Und bekommt sie nur wieder los, wenn man sich wirklich Mühe gibt.

Herausragende Frage

Die einzelnen Kapitel des Buches werden von Fragen eingeleitet, die sich stellen, wenn man darüber nachdenkt, was von einem übrig bleibt. Was soll von mir bleiben, an Orten, in anderen Menschen – am Ende in der Welt? Auf diese Frage kann man natürlich nur hypothetisch antworten, und ich wage zu sagen: nein. Warum sollte ich mir auffallen? Spannender ist die Frage: Wenn ich mir auffallen würde, was wäre meine Fantasie zu mir selbst? Würde ich mich nett finden? Ich hoffe doch.

Wertvolle Frage

Die einzelnen Kapitel des Buches werden von Fragen eingeleitet, die sich stellen, wenn man darüber nachdenkt, was von einem übrig bleibt. Was soll von mir bleiben, an Orten, in anderen Menschen – am Ende in der Welt? Auf diese Frage würde ich wahrscheinlich immer wieder eine andere Antwort finden: je nachdem, was mir gerade wichtig ist. Oder was mir wichtig sein könnte in der Zukunft. Oder was anderen etwas von mir erzählen könnte irgendwann. Wahrscheinlich würde ich aber bereits an der wichtigsten Frage scheitern: Wo bekomme ich eine geeignete Kiste her? Was denken Sie?

Wissensfrage

Die einzelnen Kapitel des Buches werden von Fragen eingeleitet, die sich stellen, wenn man darüber nachdenkt, was von einem übrig bleibt. Was soll von mir bleiben, an Orten, in anderen Menschen – am Ende in der Welt? Auf diese Frage hat jeder eine Antwort, aber nur wenige würden sie offen aussprechen. Der Grund dafür ist natürlich Scham. Es gehört sich nicht, zu lügen. Und je größer die Lüge, desto länger kann sie auch her sein (oder desto länger kann sie erzählt werden), um immer noch auf die Gegenwart zu wirken. Sie wird mit den Jahren größer. Und je älter man wird, desto größere Wahrheiten können sich dahinter verstecken. Welche Gründe fallen Ihnen ein, so lange zu lügen?

Geschmacksfrage

Die einzelnen Kapitel des Buches werden von Fragen eingeleitet, die sich stellen, wenn man darüber nachdenkt, was von einem übrig bleibt. Was soll von mir bleiben, an Orten, in anderen Menschen – am Ende in der Welt? Um diese Frage zu beantworten, gibt es für mich gerade keinen besseren Ort und keine bessere Zeit. Ich sitze auf meinem alten Kinderbett in der Wohnung meiner Eltern, vor mir dampft eine Tasse Kamillentee (die Blüten habe ich mit meinem Vater hinten im Feld früher immer gesammelt für die Schnupfenzeit). Im Sommer riecht es hier nach den Kühen von gegenüber und nach Gräsern. Meine Gegenwart in Hamburg riecht manchmal nach Hopfen, wegen der nahen Holsten-Brauerei. Oder nach Auto. Oder nach der Parfümmischung im Bus. Ich hatte lange keinen Kamillentee mehr getrunken – ich nehme den Geruch mit ins Heute.

Heiße Frage.

Die einzelnen Kapitel des Buches werden von Fragen eingeleitet, die sich stellen, wenn man darüber nachdenkt, was von einem übrig bleibt. Was soll von mir bleiben, an Orten, in anderen Menschen – am Ende in der Welt? Diese Frage kann ich für mich gar nicht beantworten, oder jedenfalls können meine Eltern mir keinen Grund nennen. Ich weiß nur: Ich war in meiner Schulzeit in Hessen weit und breit der einzige Sven (und sonst gab es nur noch den Bösewicht aus »Wickie«). Jetzt, in Hamburg, ist das natürlich anders. Aber vielleicht wohne ich auch nur hier, weil es mich schon von klein auf in den Norden gezogen hat – auch wegen des Vornamens?

Bilanzierend

Die einzelnen Kapitel des Buches werden von Fragen eingeleitet, die sich stellen, wenn man darüber nachdenkt, was von einem übrig bleibt. Was soll von mir bleiben, an Orten, in anderen Menschen – am Ende in der Welt? Auf diese Frage kann ich nur antworten: einiges. Wirklich sehr viel. Dass ich jemals ein Buch veröffentlichen würde, zum Beispiel. Oder dass ich es mal nach bis nach Asien schaffe. Wobei die größten Errungenschaften im Leben gar nichts damit zu tun haben müssen, was man »erreicht« hat – kann man Zufriedenheit erreichen? Oder gute Freunde? Nein. Man kann aber etwas dafür tun, immerhin. Was denken Sie?

Gebrauchte Frage

Die einzelnen Kapitel des Buches werden von Fragen eingeleitet, die sich stellen, wenn man darüber nachdenkt, was von einem übrig bleibt. Was soll von mir bleiben, an Orten, in anderen Menschen – am Ende in der Welt? Die Antwort auf diese Frage ist für mich: unbedingt ja. Manchmal kann ein Mensch sehr wichtig sein für jemanden, aber es ist nicht möglich, mit ihr oder ihm eine Partnerschaft zu leben. Bevor man jemanden ganz verliert, hilft dann vielleicht nur die Trennung. Was denken Sie?

Richtungsweisend.

Die einzelnen Kapitel des Buches werden von Fragen eingeleitet, die sich stellen, wenn man darüber nachdenkt, was von einem übrig bleibt. Was soll von mir bleiben, an Orten, in anderen Menschen – am Ende in der Welt? Die Antwort auf diese Frage fällt mir leicht: nein. Oder allerhöchstens: meine Freundin zu außerordentlichen Anlässen. Falls ich in einem gefährlichen Gebiet unterwegs wäre und sie sich Sorgen macht, zum Beispiel. Oder wenn wir beide uns verloren haben und wir uns auf diese Weise wiederfinden könnten. Ansonsten: nein. Und ich finde es auch schrecklich, wenn Eltern ihre Kinder auf diese Art beobachten. Menschen haben ein Recht darauf, unbeobachtet ihrer eigenen Wege zu gehen, egal wie jung sie sind. Das ist zumindest meine Meinung. Was ist Ihre?

Aufwühlende Frage

Die einzelnen Kapitel des Buches werden von Fragen eingeleitet, die sich stellen, wenn man darüber nachdenkt, was von einem übrig bleibt. Was soll von mir bleiben, an Orten, in anderen Menschen – am Ende in der Welt? Welchen »Feind« ich gerne noch einmal sehen würde? Das macht mich erst einmal sprachlos, denn mir wird klar: Den Menschen, der mir als erstes einfällt, möchte ich auf keinen Fall wiedersehen. Und dann komme ich ins Grübeln. Wische Leute weg, die mir zwar feindlich gesinnt waren, die ich aber noch nicht einmal getroffen habe (das Internet macht’s möglich) – und dann fallen mir nur zwei alte Schulkameraden ein, mit denen ich mal befreundet war, die dann aber beide ihrer Wege gegangen sind, ohne mich. Das empfand ich damals als feindlich. Manchmal google ich sie. Aber sie wiedersehen: Ich weiß nicht.

Hm.

Die einzelnen Kapitel des Buches werden von Fragen eingeleitet, die sich stellen, wenn man darüber nachdenkt, was von einem übrig bleibt. Was soll von mir bleiben, an Orten, in anderen Menschen – am Ende in der Welt? In diesem Fall: Was ist von mir geblieben, das ich niemandem je erzählt habe – und auch nicht verraten werde? Auch das kann dazu gehören, wenn man sich Gedanken über das eigene Leben macht. Und es kommt selten vor, dass einem gar nichts einfällt zu dieser Frage.

Oder?

Komische Frage

Die einzelnen Kapitel des Buches werden von Fragen eingeleitet, die sich stellen, wenn man darüber nachdenkt, was von einem übrig bleibt. Was soll von mir bleiben, an Orten, in anderen Menschen – am Ende in der Welt? Von wem ich meinen Lieblingswitz habe, kann ich gar nicht sagen. Wohl auch, weil ich wohl mehrere habe. Einen, den ich oft erzähle, habe ich zum Beispiel von Detlev, einem Schauspieler. Es ist ein Schauspielerwitz. Und ich denke dann immer an Detlev, und dann muss ich lächeln. Ein anderer ist von Mike, den habe ich seit bestimmt 20 Jahren nicht gesehen. Ich weiß nicht einmal, was er heute macht. Aber seinen Witz, den trage ich in mir durch mein Leben. Wie ist das bei Ihnen?

Gute Frage

Die einzelnen Kapitel des Buches werden von Fragen eingeleitet, die sich stellen, wenn man darüber nachdenkt, was von einem übrig bleibt. Was soll von mir bleiben, an Orten, in anderen Menschen – am Ende in der Welt? Bei der Wohnung, in der ich jetzt wohne, weiß ich immerhin: Davor war hier eine WG, eine der Bewohnerinnen war Schauspielerin und sie hatte einen wunderschönen Nachnamen. Davor hat irgendwann eine Bekannte hier gewohnt, die später ein Stockwerk tiefer gezogen ist; dann ist sie ausgezogen. Und davor? Das Haus steht seit 1910 hier. Wie ist das bei Ihnen? Kennen Sie die Geschichte Ihrer Wohnung? Und wenn nicht: Lassen Sie Ihre Fantasie fliegen – wer könnte denn vor Ihnen da gewohnt haben?

Was für eine Frage

Die einzelnen Kapitel des Buches werden von Fragen eingeleitet, die sich stellen, wenn man darüber nachdenkt, was von einem übrig bleibt. Was soll von mir bleiben, an Orten, in anderen Menschen – am Ende in der Welt? Bei dieser Frage bin ich mir unsicher. Einerseits: Wahrscheinlich mit meinen Eltern, also: mit meiner Mutter wohl. Andererseits: Vielleicht sogar mit Freund*innen oder Arbeitskolleg*innen. Oder mit Menschen im Fernsehen, die ich persönlich gar nicht kenne. Wie ist das bei Ihnen?

Die Frage zum Samstag

Die einzelnen Kapitel des Buches werden von Fragen eingeleitet, die sich stellen, wenn man darüber nachdenkt, was von einem übrig bleibt. Was soll von mir bleiben, an Orten, in anderen Menschen – am Ende in der Welt? Bei dieser Frage muss ich erst lange nachdenken: das Flair? Das Gefühl der Anwesenheit der Menschen, die hier früher einmal waren? Die Geschichte der Steine, aus denen ein Gebäude erbaut wurde? Ich komme einer Antwort kaum näher. Aber dennoch ist da das Gefühl: etwas fehlt. Wie ist das bei Ihnen?

Eine gute Frage

Die einzelnen Kapitel des Buches werden von Fragen eingeleitet, die sich stellen, wenn man darüber nachdenkt, was von einem übrig bleibt. Was soll von mir bleiben, an Orten, in anderen Menschen – am Ende in der Welt? Bei dieser Frage scheint mir die Antwort erst leicht: mein Vater. Oder vielleicht doch mein Großvater. Beite hatten damals eine Kamera. Heute hat jeder eine. Von mir gibt auch noch keine Kindervideos. Wie ist das bei Ihnen?

Eine Frage zwischendurch

Die einzelnen Kapitel des Buches werden von Fragen eingeleitet, die sich stellen, wenn man darüber nachdenkt, was von einem übrig bleibt. Was soll von mir bleiben, an Orten, in anderen Menschen – am Ende in der Welt? Gerade diese Frage zu beantworten, fällt mir schwer. Obwohl sie so einfach erscheint. Wahrscheinlich käme in meiner Antwort etwas von Led Zeppelin vor. Oder von Queen. Oder James Blake. Ich finde für mich erstaunlich, wie unsicher ich bin. Geht Ihnen das anders?

Eine Frage nebenbei

Die einzelnen Kapitel des Buches werden von Fragen eingeleitet, die sich stellen, wenn man darüber nachdenkt, was von einem übrig bleibt. Was soll von mir bleiben, an Orten, in anderen Menschen – am Ende in der Welt? Bei ehemaligen besten Freunden, finde ich, sollte man sich als erstes fragen: Will ich eigentlich wissen, was sie oder er heute macht? Ich habe schon Menschen wiedergesehen, bei denen ich mich nach zehn Minuten so wohlig wohl gefühlt habe wie früher. Und Sie?

Eine Frage am Rande

Die einzelnen Kapitel des Buches werden von Fragen eingeleitet, die sich stellen, wenn man darüber nachdenkt, was von einem übrig bleibt. Was soll von mir bleiben, an Orten, in anderen Menschen – am Ende in der Welt? Ich bin recht gut darin, zu verdrängen, wenn mir etwas Schlimmes zugestoßen ist. Vielleicht weiß ich deswegen hier keinen »wichtigsten« Gegenstand. Bei vielen Dingen, die ich lange gesucht habe und die mir teuer waren, weiß ich auch nicht: Habe ich sie verloren – oder nur verkramt? Oder verliehen und nie wiedergesehen? Oder habe ich sie gar selbst weggeworfen, so wie viele Gegenstände aus meiner Kindheit, von denen ich nicht weiß, wann sie mich verlassen haben? Wie geht es Ihnen?