Dieser Blog ist eine Fortführung meines Buches »Was von uns übrig bleibt«, das bei Rowohlt erschienen ist (Leseprobe). Es beschäftigt sich mit den Spuren, die wir hinterlassen, wenn wir lange an Orten gelebt haben (oder auch ganz kurz vorbeigeschneit sind), wenn wir Menschen begegnen und sie kennenlernen oder wenn wir die Welt verlassen. »Was von uns übrig bleibt« fragt natürlich auch danach, wie man sich an uns erinnern sollte. Und was Menschen über die Jahrhunderte angestellt haben, um in Erinnerung zu bleiben – an einem Ort, in anderen Menschen, in der Welt. Diese Themen sind mir sehr nahe, deswegen lassen sie mich nicht los, auch wenn das Buch fertig und im Handel ist. Und ich kann mir vorstellen, dass das auch anderen Menschen so geht. Für diese ist diese Website. Was ich hier poste, gibt es übrigens auch auf Facebook.

Sven Stillich

Nächtliche Frage

Die einzelnen Kapitel des Buches werden von Fragen eingeleitet, die sich stellen, wenn man darüber nachdenkt, was von einem übrig bleibt. Was soll von mir bleiben, an Orten, in anderen Menschen – am Ende in der Welt? Geträumt habe ich natürlich schon von vielen Menschen, zuletzt von jemandem, den ich das nie sagen dürfte. Wenn ich es mir wünschen dürfte, würde ich mich glaube ich in die Vergangenheit meiner Familie zurückträumen. In einer Art Zeitreise. Wie war wohl meine Urgroßmutter? Wie hat sie meinen Urgroßvater kennengelernt? Ich werde das nie erfahren, das heißt: Ein Traum wäre genauso wahr wie das, was war. Ein schöner Gedanke.

Verlassene Orte

Wenn Menschen Siedlungen aufgeben, hat das Gründe. In Deutschland fielen viele Dörfer dem Braunkohletagebau zum Opfer, andere Orte werden durch Katastrophen unbewohnbar, wieder andere verfallen, weil ihre Bewohner alle weggezogen sind. Ein Besuch bei verlassenen Orten – und fast ein Trailer für »Was von uns übrig bleibt« (30 min.)

BR (Mediathek, 30 min.)

Existenzielle Frage

Die einzelnen Kapitel des Buches werden von Fragen eingeleitet, die sich stellen, wenn man darüber nachdenkt, was von einem übrig bleibt. Was soll von mir bleiben, an Orten, in anderen Menschen – am Ende in der Welt? Zu dieser Frage kann ich nur sagen: bestimmt. Dazu hatte ich zu viele ehemalige Arbeitsstellen (und innerhalb dieser so viele Arbeitsorte), dass es seltsam wäre, würde nichts irgendwo noch herumliegen auf irgendwelchen Servern. Vielleicht haben aber ja auch Kollegen Mails von mir aufgehoben. Wenn dem so sei – dann hoffentlich aus positiven Gründen.

Schwere Frage

Die einzelnen Kapitel des Buches werden von Fragen eingeleitet, die sich stellen, wenn man darüber nachdenkt, was von einem übrig bleibt. Was soll von mir bleiben, an Orten, in anderen Menschen – am Ende in der Welt? Das Material, aus dem mein Grabstein sein sollte? Das ist eine gute Frage. Ich denke: auf keinen Fall etwas glatt geschliffenes, poliertes. So werde ich nicht gewesen sein, so wird mein Leben nicht gewesen sein. Ich glaube, ich möchte einen Stein, der nach Stein aussieht. Als würde er schon immer da hingehören. Wie sieht das bei Ihnen und Euch aus?

Meilensteine der Kriminologie

Die frühen Kriminologen hatten es nicht leicht. Ohne Zeugen war einem Täter die Tat nur schwer nachzuweisen. Damals wusste man noch nicht, dass jeder Mensch immer und überall Spuren hinterlässt. Die Geschichte des Spurenlesens begann erst Ende des 19. Jahrhunderts. Erster Meilenstein in der Kriminologie war die Entdeckung des biometrischen Fingerabdruck-Verfahrens – der Daktyloskopie. Mehr dazu natürlich in »Was von uns übrig bleibt«, im Buchhandel.

… ARD (Mediathek,

Eindrückliche Frage

Die einzelnen Kapitel des Buches werden von Fragen eingeleitet, die sich stellen, wenn man darüber nachdenkt, was von einem übrig bleibt. Was soll von mir bleiben, an Orten, in anderen Menschen – am Ende in der Welt? Bei mir ist ganz einfach. Jemand, mit dem ich in der vergangenen Woche zusammengearbeitet habe – und mit dem ich gemeinsam eine Formulierung erfunden habe, die außergewöhnlich war, ein bisschen verstörend, provokant. Dass sie dennoch gedruckt wurde in einem Magazin, erforderte viel Gefühl für sprache, Erfahrung und auch Mut.

Das will ich dir noch sagen: Wenn junge Eltern sterben

Als Andrea Bizzotto erfährt, dass er eine unheilbare Krebserkrankung hat, ist seine Frau Maria gerade im fünften Monat schwanger. Heute ist ihre gemeinsame Tochter Giulia zwei Jahre alt, doch der 33-Jährige wird nicht miterleben, wie sie aufwächst. Andrea will Giulia etwas Bleibendes hinterlassen und tippt im Krankenbett seine Lebensgeschichte ins Handy. Kapitel für Kapitel entsteht seine Autobiographie.

WDR (Mediathek, 44 min.)

Wegwerffrage

Die einzelnen Kapitel des Buches werden von Fragen eingeleitet, die sich stellen, wenn man darüber nachdenkt, was von einem übrig bleibt. Was soll von mir bleiben, an Orten, in anderen Menschen – am Ende in der Welt? Bei mir ist es wohl so, dass mein Müll wahrscheinlich eher langweilig ist. Ein bisschen Bio. Ein bisschen Plastik (was immer weniger wird, hoffe ich). DIE ZEIT lese ich auf dem iPad, das war früher mal sehr viel Papiermüll. Und ich bestelle kaum etwas im Internet, habe also nicht wie meine Nachbarn einen »Amazon Prime«-Karton pro Woche. Der Wein, den ich trinke, hat meist einen Schraubverschluss, es gibt kaum noch Korken. Wie gesagt: Es gibt spannenderen Müll. Ihren vielleicht?

Fragen, denken, sagen

Die einzelnen Kapitel des Buches werden von Fragen eingeleitet, die sich stellen, wenn man darüber nachdenkt, was von einem übrig bleibt. Was soll von mir bleiben, an Orten, in anderen Menschen – am Ende in der Welt? Bei dieser Frage würde ich gerne zurückfragen, wer sich denn außer mir für mein Gehirn interessieren könnte, damit sich das lohnt. Aber generell geantwortet: warum nicht? Dann könnte ich vielleicht digital darüber nachgrübeln, wie sich Bewusstsein anfühlt und wie nicht.

Neue alte Bahnstrecken

Gut, dass etwas übrig blieb: In den vergangenen Jahren wurden in Deutschland mehr als 3600 Kilometer Zugstrecke stillgelegt, sie galten als nicht mehr rentabel. Nun wird über die Reaktivierung dieser ehemaligen Bahnstrecken nachgedacht, um Autofahrer von der Straße zu holen. Der Zug zwischen Freiburg und dem französischen Colmar könnte bald schon wiederfahren.

arte (Mediathek, 3 min.)

Das Kriegsmuseum von Kabul

Ein alter Mann steht in einem Museum. Er weint. Denn vielleicht liegt hier in den Vitrinen etwas, das von seinem Sohn übrig geblieben ist. Bei einem Selbstmordanschlag ist der ums Leben gekommen. Und vielleicht liegt hier noch etwas von seinen Sachen. Versteckt in einem Keller hat in Kabul das erste Museum über Zerstörung, Leid und Tod eröffnet.

ZDF (Mediathek, 2 min.)

Frage im Rückblick

Die einzelnen Kapitel des Buches werden von Fragen eingeleitet, die sich stellen, wenn man darüber nachdenkt, was von einem übrig bleibt. Was soll von mir bleiben, an Orten, in anderen Menschen – am Ende in der Welt? Diese Frage ist natürlich harter Tobak. Es würde mir sogar schwer fallen, hier jemanden namentlich zu nennen, denn alle, die ich wirklich gar nicht vermisse, habe ich wohl auch vergessen. Wahrscheinlich braucht es eine Kombination aus Verletztsein, Wut, Enttäuschung und immer noch glimmender Liebe für einen solchen Menschen. Da fiele mir dann schon jemand ein. Ich sehe sie öfter, wir gehen aneinander vorbei, grußlos. Aber ich zumindest nicht unberührt.

Frage, Küche, Bad

Die einzelnen Kapitel des Buches werden von Fragen eingeleitet, die sich stellen, wenn man darüber nachdenkt, was von einem übrig bleibt. Was soll von mir bleiben, an Orten, in anderen Menschen – am Ende in der Welt? Bei mir ist das so: Ich bin mit meiner Wohnung oft ganz zufrieden; sie spiegelt mich wieder in all meiner Widersprüchlichkeit. Manchmal aber bin ich in einer anderen Wohnung oder sehe eine im Fernsehen, die einen großen, weiten Raum besitzt (etwas, das meine nicht hat). Und dann werde ich immer ein bisschen traurig und ein bisschen neidisch. Warum das so ist, weiß ich nicht genau. Aber vielleicht ist das nur eine Variante vom Gras, das beim Nachbarn immer grüner ist.

Bauliche Frage

Die einzelnen Kapitel des Buches werden von Fragen eingeleitet, die sich stellen, wenn man darüber nachdenkt, was von einem übrig bleibt. Was soll von mir bleiben, an Orten, in anderen Menschen – am Ende in der Welt? Die Antwort auf diese Frage für mich: niemandem eigentlich. Denn meist geschieht das aus den falschen Gründen – weil man sich etwas davon verspricht, weil man dazu gezwungen wird, weil es sich so gehört. Das sind die selben Gründe, warum Denkmäler geschleift werden.

Wenn das Vergessen droht

Das Außenlager Kaufering gehörte zum KZ Dachau. Hier starben tausende Häftlinge in den letzten Kriegsmonaten. Ein Teil der Häftlingsunterkünfte ist bis heute erhalten, deshalb wurde das Lager als „Denkmal nationaler Bedeutung“ eingestuft. Doch eine echte Erinnerungskultur fehlt: es gibt dafür weder Konzept noch Geld. Dabei wäre es allerhöchste Zeit, zu handeln.

ARD (Mediathek, 6 min.)

Zeugenbefragung

Die einzelnen Kapitel des Buches werden von Fragen eingeleitet, die sich stellen, wenn man darüber nachdenkt, was von einem übrig bleibt. Was soll von mir bleiben, an Orten, in anderen Menschen – am Ende in der Welt? Die Antwort auf diese Frage: wahrscheinlich unter einer oder mehreren Schichten Lack am Türrahmen einer Wohnung in Frankfurt am Main. An der Stelle, an der ich mich als Kind, wenn ich zu Besuch war, immer hingestellt habe, woraufhin ein lieber Mensch mit Kuli einen Strich über meinem Kopf gemacht hat, dann kam ein Datum daneben – und schon konnte man sehen, wie ich größer wurde mit der Zeit. Vielleicht ist das alles noch da, vielleicht nicht. Aber so ist es ja oft mit Spuren.

Falsche Frage

Die einzelnen Kapitel des Buches werden von Fragen eingeleitet, die sich stellen, wenn man darüber nachdenkt, was von einem übrig bleibt. Was soll von mir bleiben, an Orten, in anderen Menschen – am Ende in der Welt? Diese Frage ist sehr schwer zu beantworten, bringt sie ja das ganze Selbst zum Wackeln. Nach längerem Nachdenken: Ich glaube fest daran, dass den Menschen immer klar sein wird, dass die »echte Welt« wertvoller ist als jede virtuelle. Wahrscheinlich aber wird das ein Irrtum sein.

Generationen, geschichten

»Arte« zeigt zwei Kurzfilme zum Thema »Generationen«. In »Ich war erst 14« verbindet die Regisseurin Froukje van Wengerden die Stimme ihrer 86-jährigen Großmutter mit den Gesichtern von Mädchen, die heute 14 Jahre alt sind. Und »Fußstapfen“ wirft einen humorvollen Blick auf den Zusammenprall der Generationen, ihrer Werte und Wünsche.

arte (Mediathek, 50 min.)

Frage an der Kreuzung

Die einzelnen Kapitel des Buches werden von Fragen eingeleitet, die sich stellen, wenn man darüber nachdenkt, was von einem übrig bleibt. Was soll von mir bleiben, an Orten, in anderen Menschen – am Ende in der Welt? Diese Frage fällt mir leicht: Ich denke, ja. Denn ich ändere mich jeden Tag, für jeden Tag. Ob es große Veränderungen geben kann: schwieriger zu sagen. Eher. Nein. Ich denke, der Kern steht irgendwann fest. Die Persönlichkeit, der Charakter. Und der ist schwer zu knacken. Obwohl: Ich hoffe, dass ich mich ändern kann, wenn es darauf ankommt.

Ursprünglich gefragt

Die einzelnen Kapitel des Buches werden von Fragen eingeleitet, die sich stellen, wenn man darüber nachdenkt, was von einem übrig bleibt. Was soll von mir bleiben, an Orten, in anderen Menschen – am Ende in der Welt? Diese Frage ist nur auf den ersten Blick eine ungewöhnliche. Denn irgendwer hat das ja getan, bewusst oder unbewusst. Wer den eigenen Spuren nachgeht, wird weitere Fragen finden, wie: Wo und wie haben sich meine Eltern eigentlich kennengelernt? Wenn ich ein anderer wäre, wenn ich woanders geboren wäre – wie prägt mich mein Geburtsort? Ein nachdenkliches Wochenende allen!

Hilfreiche Frage

Die einzelnen Kapitel des Buches werden von Fragen eingeleitet, die sich stellen, wenn man darüber nachdenkt, was von einem übrig bleibt. Was soll von mir bleiben, an Orten, in anderen Menschen – am Ende in der Welt? Diese Frage ist mir wichtig, denn in der Antwort entscheidet sich der Charakter eines Menschen, wie ich finde. Wenn ich kann, wenn ich Zeit habe und die Kraft, dann helfe ich immer. »Die Welt jeden Tag ein wenig besser machen«, schimmert da auch durch, das jüdische »Tikkun Olam«. Wenn man das möglich machen kann – warum sollte man es nicht tun?

Dingliche Frage

Die einzelnen Kapitel des Buches werden von Fragen eingeleitet, die sich stellen, wenn man darüber nachdenkt, was von einem übrig bleibt. Was soll von mir bleiben, an Orten, in anderen Menschen – am Ende in der Welt? Bei dieser Frage fallen mir mehrere Dinge ein: ein Kuscheltier aus meiner frühen Kindheit, das ich noch besitze; ein Bündel Etiketten, auf die meine Mutter damals meinen Namen geschrieben hat; eine kleine Lampe, die damals auf meinem Nachttisch stand. Spannend ist die Frage, warum diese Dinge noch da sind. Warum haben sie die Zeiten überlebt und andere nicht? Und welche vielleicht noch älteren Gegenstände liegen noch unentdeckt im Keller meiner Eltern?

Ich frage für einen Freund

Die einzelnen Kapitel des Buches werden von Fragen eingeleitet, die sich stellen, wenn man darüber nachdenkt, was von einem übrig bleibt. Was soll von mir bleiben, an Orten, in anderen Menschen – am Ende in der Welt? Zu dieser Frage denke ich: nicht unbedingt, aber die Zeit hinterlässt ihre Spuren. Und: Sie steigert die Bindung – man kann auch über Jahre jemanden immer inniger weniger mögen. Vielleicht ist das dann eine besondere Form der Freundschaft, eine von der dunklen Seite des Mondes.

Spielzeugflut im Kinderzimmer

Kulturpessimismus ist oft ein Ausdruck von Nostalgie. Doch wenn Kinder die Welt nicht mehr mit Spielzeug entdecken – und sei es in guten Videogames –, und wenn sie nur noch Lego-Bausätze nachbauen, anstatt mit Legosteinen eigene Objekte zu erschaffen – dann kann das nicht gut sein. Denn das prägt, wie sie die Welt sehen, Orte und andere Menschen.

mdr (Mediathek, 6 min.)